Bei dem Wort Trauma denkt man zunächst an eine lebensbedrohliche Situation, der das Opfer hilflos ausgeliefert ist. z.B. bei einem Autounfall, einem Überfall.Das nennt man Schocktrauma.

Doch auch frühe Kindheitserfahrungen können traumatisch wirken und bis ins Erwachsenenleben belastend sein.

Traumatisierungen haben da aber nicht unbedingt etwas mit Grausamkeiten zu tun. Auch ganz alltägliche Ereignisse können traumatisch sein und das weitere Leben und Handeln beeinflussen. Oft hat es seinen Ursprung schon in der Kindheit. Es tritt häufig bei Menschen auf, die als Kinder vernachlässigt wurden, viel alleine waren, eine depressive oder mit der Kindererziehung überforderte Mutter hatten.

 

Traumatisierungen verändern uns. Sie verändern unser Weltbild, sie verändern unsere Wahrnehmung von anderen Menschen.

Folgen von Traumatisierungen

 Starke Traumatisierungen machen das Leben zu einem Kriegsgebiet und andere Menschen zu potentiellen Feinden. Sie machen das Leben „gefühlt“ gefährlich.
Dadurch neigen wir dazu, uns eher zurückzuziehen und uns nicht mehr als Teil der Menschheit zu begreifen.
Sicherheit wird unser Gott.
Ich hier und dort ihr – wir gegen euch.
Die Neugier weicht dem Bedürfnis, keine Überraschungen erleben zu wollen.
Das Bedürfnis nach echter und tiefer Verbundenheit weicht dem Bedürfnis nach Sicherheit.

Auswirkungen auf Beziehungen

 All dies verändert unser Verhalten in Beziehungen, wie wir in sie hineingehen und wie wir uns dort verhalten. Es verändert, wie wir mit fremden Menschen umgehen – wir neigen zu „Abschottung“ statt zu Neugier und Integration. Das Fremde wird zum potentiell Gefährlichen.

 Dies ist nicht nur auf politischer und gesellschaftlicher Ebene ein großes Thema, es ist auch ein Thema im Kleinen, in unseren Familien, in unseren Partnerschaften, in unserem Bekanntenkreis.

  •  Darf sich jemand verändern oder macht Veränderung Angst?
  •  Bin ich eher neugierig, wenn mein Partner sich zu verändern beginnt, und möchte teilhaben oder sehe ich di          Veränderung als Bedrohung unserer Beziehung?
  •  Bleibe ich in einer Beziehung, weil sie Sicherheit bietet oder weil ich sie als lebendig und voller Liebe empfinde?

 

Wir lernen, wie Liebe geht, noch bevor wir laufen können!

 Wir lernen Beziehung in einem Alter, in dem wir noch nicht einmal sprechen können. Wir lernen von unseren Eltern, wie wertvoll wir sind, wie man kommuniziert, wie viel Körperkontakt „normal“ ist.
Wir lernen, wie Liebe geht, bevor wir laufen können.
Werden wir schon so früh in unserem Bindungsverhalten verletzt, sprechen wir von einem Entwicklungstrauma.

 Verrat ist ein Kern von Bindungsverletzungen. Ein Mensch, dem wir vertrauten, den wir liebten, tut uns etwas an. Das kann sein, uns alleine zu lassen, uns wenig zu berühren oder immer ungeduldig mit uns zu sein bis hin zu Demütigungen, Gewalt und sexuellen Übergriffen.

 Übertragung in die Partnerschaft

 All diese Verletzungen werden unbewusst wieder wach, wenn wir eine Partnerschaft eingehen. Dort erleben wir plötzlich Verhaltensweisen an uns selbst, die wir nie haben wollten. Vielleicht können wir uns gar dabei zuschauen, wie wir eine Beziehung langsam, aber sicher durch unser Verhalten zermürben. Manchmal erkennen wir auch die Verhaltensweisen unserer Eltern im Partner wieder. Wir fühlen uns respektlos behandelt und spüren keine Verbindung. Trotzdem können wir uns nicht trennen!

 Verbindungen jeder Art sind für mich das Herzstück des Lebens.
Sie machen unser Leben lebenswert und uns glücklich.
Trauma ist die Antithese zu Verbindung.
Deswegen ist es so wichtig auch darüber zu sprechen, was in Beziehungen passiert und wie wir anders damit umgehen können.